So funktioniert Neurofeedback

Lernen am Erfolg

Zu Beginn einer Behandlung oder eines Trainings steht eine ausführliche Eingangsdiagnostik. Hierzu gehört die Erfassung und Dokumentation der Symptomatik und deren Vorgeschichte, sowie das Erstellen eines quantitativen EEG (QEEG).

Zum Messen des EEG, d.h. des Elektroenzephalogrammes, werden Elektroden auf der Kopfoberfläche des Klienten angebracht.
Eine spezielle Sotfware verarbeitet und analysiert die gemessenen EEG-Wellen, um die Verteilung dieser Hirnwellen und die sich daraus ergebenden Hirnwellenmuster sichtbar zu machen.

Anhand der so gewonnen Ergebnisse legt der Therapeut die Trainingsziele fest.

Auch für jedes einzelne Training bringt der Therapeut die Elektroden wieder auf der Kopfoberfläche an. Diese sind mit dem Messgerät, einer speziellen Trainingssoftware am PC des Therapeuten, sowie einem weiteren Monitor für den Klienten verbunden. Die Signale der Elektroden werden nun am PC verarbeitet, d.h. mit den zuvor gesetzten Trainingszielen verglichen.

Der Klient bekommt über seinen Monitor kontinuierlich Rückmeldungen über das Erreichen und Nichterreichen dieser Ziele. Dies erfolgt in jedem Moment und unmittelbar, das bedeutet sofort ohne zeitliche Verzögerung.
Über diesen ständigen Kreislauf erhält er immer eine kontinuierliche Rückmeldung über seine derzeitige eigene Hirntätigkeit.

Diese Rückmeldung, das Feedback, erfolgt über positive akustische und / oder optische Signale (z.B. DVD, Belohnungstöne, Spiel, Musik). Konkret bedeutet dies, dass z.B. der Film, den der Klient anschaut, normal abgespielt wird, wenn er die Trainingsziele erreicht. Bei Nichterreichen wird der Film aber dunkel und der Ton leise oder stoppt zwischendurch.

Hierdurch sieht und hört der Trainierende, ob seine derzeitige Hirnfunktion angemessen ist. Sie wird somit seiner Wahrnehmung indirekt zugänglich gemacht.

Neurofeedback ist ein verhaltenstherapeutisches Training des Gehirns. Es kann seine eigene Tätigkeit mit dem Feedback in Verbindung bringen und weiß, dass die Belohnungstöne oder die Veränderungen des Filmes mit den eigenen unterschiedlichen Hirnzuständen zusammenhängen. Daher kann das Gehirn mit dem Training arbeiten und sich dabei verändern. Es wird lernen, die Zustände, in denen es positive Rückmeldungen erhält, also Erfolg hat, zu wiederholen. Gleichzeitig wird es versuchen, die Zustände, bei denen eine positive Rückmeldung ausbleibt, zu vermeiden (Lernen am Erfolg = operante Konditionierung).

Der Trainierende, bzw. sein Gehirn, lernt einen seiner Tätigkeit angemessenen Zustand einzunehmen und diesen, nach ausreichender Wiederholung, auch zu halten.

Diese Selbstregulation wird im Gegensatz zur medikamentösen Behandlung dauerhaft erlernt.

Auch im Falle einer Hirnschädigung kann Neurofeedback das Gehirn positiv dabei unterstützen sich zu Reorganisieren. Geschädigte Zellen können aber nicht repariert werden.

Dem Trainierenden wird dieser Vorgang nicht direkt bewusst. Er wird hinterher nicht sagen können, was und wie er seine Hirnfunktion verändert hat. Vielmehr erlebt er, wie sich ein angemessener Zustand, z.B. Konzentration, anfühlt und kann diesen dann auch später ohne Geräte wieder herstellen.

Ergänzende Methode zu bisherigen Therapien

Ein reguliertes Gehirn kann andere Therapien, Nachhilfe oder pädagogische Maßnahmen leichter integrieren und davon lernen. So schafft diese Methode Voraussetzungen, die für weitere Maßnahmen notwendig sein können. Je nach Thematik kann Neurofeedback alleine ausreichen.

Neurofeedback stellt daher eine ergänzende oder alternative Methode zu den bisherigen Therapien dar, manchmal kann daraus eine Reduzierung der Medikamente resultieren (nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt).

Funktionsweise am Beispiel eines ADS/ADHS Kindes

Ein typisches Hirnwellenmuster bei einer ADS/ADHS-Problematik ist ein „Zuviel” langsamer „Schlafwellen“ im vorderen Hirnbereich (Frontalhirn). Diese langsamen Wellen kommen normalerweise z.B. bei Meditation, aber auch im Schlaf vor. Gleichzeitig sind hier zu wenige der typischen „Denkwellen“ zu finden. Als Folge dieser Verteilung ist das Frontalhirn unteraktiviert.

Es ist sogar so, dass diese Unteraktivierung zunimmt, sobald das ADS/ADHS-Kind Leistung bringen soll. Statt sich zu aktivieren, deaktiviert es sich.

Das Frontalhirn hat die Aufgabe eines „Geschäftsführers im Gehirn“. Funktionen wie Aufmerksamkeitsspanne, Ausdauer, Urteilsvermögen, Impulskontrolle, Organisation, Selbstüberwachung und Supervision, Problemlösung, Kritisches Denken und Vorausdenken, aber auch Lernen aus Erfahrung sind hier angesiedelt. All diese Funktionen finden nur unzureichend statt, wenn der Geschäftsführer „schläft“ und damit das Frontalhirn nur mangelhaft arbeitet.

Ziel eines Neurofeedback-Trainings wäre nun, dass das Kind lernt, seinen Geschäftsführer zu wecken, d.h. vermehrt schnellere Wellen zu produzieren, so dass der Geschäftsführer wieder für Ordnung in seinem Betrieb (= also dem ganzen Gehirn) sorgen kann.

„Weckt“ das Kind im Training den Geschäftsführer auf, dann läuft der Film oder das Spiel. „Schläft“ der Geschäftsführer zwischendurch wieder ein, wird der Film oder das Spiel dunkel und leise. Das Kind lernt sehr schnell, was es tun muss, um ihn wach zu halten.

Hierbei erfährt und spürt es, wie es sich anfühlt, konzentriert und fokussiert zu sein. Erklären konnte es ihm zuvor niemand. Es hatte nie verstanden, was die Lehrer und Eltern von ihm wollten, wenn sie es aufforderten doch endlich konzentriert zu sein.
Durch dieses Training bekommt es nun eine Vorstellung davon.

Das Kind wird lernen, dieses Wecken des Geschäftsführers immer häufiger anzuwenden. Es wird dies immer mehr automatisieren und lernen, es Stück für Stück in den Alltag zu übernehmen. Dann findet ein Transfer des Gelernten in den Alltag statt. Das Kind kann dann spüren, dass es in der Schule mehr Erfolg hat und kann so immer häufiger ein selbstwirksames Lernen erleben.

Ist das „Wecken des Geschäftsführers“ automatisiert und dieser Transfer in den Alltag gelungen, dann war das Training erfolgreich und kann abgeschlossen werden.

Parallel darf man aber nicht vergessen, dass das Kind die zuvor nicht gelernten Vokabeln oder das nicht ausreichend geübte 1x1 immer noch nicht kann. Diese müssen noch geübt werden. Es hat nun aber die Voraussetzung gelernt, diese leichter zu erlernen, bzw. nachzuholen.